Ändere die Welt – sie braucht es!

Es ist eine gute Weile her, da war ich schockiert, weil bekannt wurde, dass der Kanton Luzern irgendwann einfach aufgehört hat, im Bereich Menschenhandel zu ermitteln – das Geld fehlte scheinbar. Wie absurd: Unternehmen auf der ganzen Welt fahren Milliardengewinne ein, welche an irgendwelche Aktionär*innen gehen, die teilweise so viel Geld haben, dass sie es kaum jemals alles ausgeben könnten – ich denke an Bill Gates oder Mark Zuckerberg, steinreiche Typen, die dann noch dafür abgefeiert werden, wenn sie mal einen winzigen Bruchteil davon an irgendwelche Hilfsprojekte spenden, oder den Chef von den Schindler Aufzügen, der bei gefühlt jeder Initiative damit androht, aus dem Kanton Luzern wegzuziehen, sollte es nicht zu seinem Gunsten ausfallen.

Was mich schon seit langer Zeit stört an dieser Heroisierung von reichen Dudes, die Geld an Hilfsprojekte spenden, ist nicht die Tatsache, dass sie dies spenden – sondern die Tatsache, dass sie überhaupt so viel Geld haben. Sie haben das Geld nicht, weil sie irgendwie einfach viel bessere Menschen sind – sondern weil sie in ihren Unternehmen Ausbeutung betreiben, weil sie systematisch Steuern hinterziehen, weil sie und ihre Konzerne demokratisch nicht kontrollierbar sind und, wie auch viele kleinere Unternehmen, jedes Mal mit Wegzug drohen, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen.

Ich bin Demokratin. Und ich bin fest davon überzeugt, dass nur mehr Demokratie der richtige Weg ist. Und deshalb bin ich auch Sozialistin: In einem System – also dem Kapitalismus – in dem wenige Reiche darüber bestimmen können, was mit Milliardengewinnen passiert, ist die Demokratie letztlich eine Farce. In einem System, in welchem Leute, die das Glück hatten, in einer reichen Familie geboren zu werden, immer mehr Geld bekommen, weil sie es gut anlegen können und währenddessen Kinder verhungern, weil ihre Eltern für sich und ihre Kinder noch nicht mal genug Essen zum Überleben kaufen können, möchte ich auch nicht leben. Ich möchte eine Gesellschaft, in der demokratisch – wirklich demokratisch – die Regeln zum gemeinsamen, solidarischen Zusammenleben festgelegt werden, und das auch für die Unternehmen – denn es ist keine Demokratie, wenn Reiche so viel mehr Macht haben, dass sie durch Androhungen vom Wegziehen ganze politische Entscheide eigenhändig für sich gewinnen können.

Es gibt generell vieles auf dieser Welt, was mich stört. Ich hatte per Zufall das Glück, in einer einigermassen wohlhabenden Familie in einem wohlhabenden Land im Frieden geboren zu werden, das Glück, einen „guten“ Pass zu bekommen, ohne jemals etwas dafür zu leisten. Ich hatte einfach Glück. Andere Menschen haben dieses Glück nicht, müssen um die halbe Welt flüchten, verlieren ihre Familien im Kriegen, müssen als Kinder beginnen zu arbeiten damit ihre noch kleineren Geschwister nicht verhungern, haben nie die Möglichkeit, wie ich eine Hochschule zu besuchen.

Ich kann nichts dafür, dass ich hier geboren wurde, in einem Land, in welchem ich viele Privilegien geniesse, in einem Land, in dem ich nicht wirklich grosse Angst vor einem herannahenden Krieg haben muss. Ich kann auch nichts dafür, dass ich auch in diesem Land zu den Privilegierten gehöre, denjenigen, die auf keine Prämienverbilligungen angewiesen sind, die sie dann dem Kanton Luzern plötzlich zurückzahlen müssen und vor einem riesigen Finanzproblem stehen.

Aber ich kann etwas dafür, wenn ich nichts dagegen mache.

„Ändern, was dich stört“ lautet das Leitmotto der JUSO und ganz ehrlich, noch besser könnte ich meine politische Antriebskraft nicht bezeichnen als mit diesen vier Worten. Mich stört es, in einer Gesellschaft zu leben, in der Profite wichtiger als Menschenleben sind. In einer Gesellschaft, in der das Aufrechterhalten einer misslungenen Steuerstrategie, welche Reichen und Unternehmen hilft, als wichtiger betrachtet wird, als dass die Schulen das ganze Jahr geöffnet sind. In einer Gesellschaft, in der Frauen* noch immer etwa 20% weniger verdienen und die Leute finden, die müssten halt einfach besser verhandeln. In einer Gesellschaft, in der es scheinbar wichtiger ist, Hausbesetzer*innen zu verurteilen, als Prämienverbilligungen auszuzahlen.

Die Welt braucht Veränderung, doch für Veränderung braucht es viele, für Veränderung braucht es unser aller Engagement und für grosse Veränderungen braucht es immer auch kleine Veränderungen, auch in den Kantonen und in den Gemeinden. Auch deines. Deswegen: Ändere mit uns den Kanton Luzern, die Schweiz und die Welt, sie brauchen es. Werde jetzt JUSO-Mitglied.

 

 

Lorena Stocker, Präsidentin JUSO Kanton Luzern

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