JUSO fasst Parolen für 5. Juni

Gestern Freitag, 6. Mai, traf sich die JUSO Kanton Luzern in Sursee, um die Parolen für die Abstimmungen vom 5. Juni 2016 zu fassen. Des weiteren fand ein Rückblick auf die Kommunalen Wahlen vom 1. Mai 2016 statt.

Die JUSO beschloss, bei einer Ja-Stimme und einer Enthaltung, Nein zur Volksinitiative «Pro Service Public».
Des weiteren entschieden sich die anwesenden Parteimitglieder, bei zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung, für ein Nein zur Initiative «Bedingungsloses Grundeinkommen».
Einstimmig haben sich die Mitglieder für ein Nein zur Milchkuh-Initiative ausgesprochen.
Ebenfalls einstimmig haben sich die Anwesenden für ein Ja zur neuen Fortpflanzungsmedizin ausgesprochen.
Die Asylgesetzrevision wurde gutgeheissen, mit fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Mehrere Anwesende kritisierten die neue Asylgesetzrevision, die JUSO ringt sich jedoch, trotz Verschärfungen im Asylbereich, zu dieser Revision durch, weil die Mehrheit der Anwesenden der Überzeugung waren, das «kleinere Übel» zu wählen.

SVP-Asylpolitik ohne Rückhalt in der Bevölkerung

Die JUSO Kanton Luzern ist sehr erfreut über die deutliche Ablehnung der kantonalen SVP-Asylinitiative. «Das überdeutliche Resultat ist eine Ohrfeige für hetzerische Asylpolitik der SVP», sagt Juso-Präsident Yannick Gauch. Ihre Asylpolitik ist wohl doch nicht so bürgernah, wie die SVP gerne hätte. Die Luzerner Bevölkerung verfolgt mit ihrem Votum eine pragmatische Asylpolitik, welche sich nicht von schrillen Tönen der Rechtspartei oder des zuständigen Regierungsrates Guido Graf beirren. Dieser glänzte im Abstimmungskampf gegen die Initiative durch Abwesenheit und bevorzugte es gegen den Bundesrat zu polemisieren. Dies hat der Initiative wohl eher genützt als geschadet. Die JUSO fordert Regierungsrat Guido Graf auf zukünftig eine zielorientierte und konstruktive Asylpolitik im Kanton Luzern zu verfolgen

Yannick Gauch ist neuer Präsident der JUSO Kanton Luzern

An ihrem Parteitag mussten die JungsozialistInnen das Amt des Präsidiums, sowie zwei Vorstandsposten neu besetzen. Neuer Präsident ist Yannick Gauch. Der 21-jährige Luzerner kommt aus der Stadt Luzern, ist gelernter Grafiker und arbeitet gegenwärtig als Politischer Sekretär bei der SP-Kanton Luzern. In seiner Ansprache als neuer JUSO Präsident wandte sich Yannick Gauch wie folgt an die Mitglieder der JUSO Kanton Luzern: „Ich darf die JUSO Kanton Luzern in einem sehr guten Zustand übernehmen. Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren gemeinsam grosses erreichen können. Gerade in Zeiten, in denen die bürgerlichen Parteien hemmungslos soziale Errungenschaften mittels perverser Abbaumassnahmen vernichten, muss die JUSO noch stärker und noch aktiver werden.“

Neu im Vorstand ist der 20-jährige Moritz Amsler aus Eschenbach, der eine Lehre als Metallbauer abschloss und auf diesem Beruf arbeitet. Moritz Amsler: „Ich freue mich sehr auf die Arbeit im kantonalen Vorstand. Gerade die Entwicklungen in meiner Gemeinde Eschenbach zeigen auf, dass linke Politik verstärkt in die ländlichen Regionen des Kantons getragen werden muss. Zahlbare Mieten, bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr, das sind keine städtischen, sondern kantonale Themen. Unsere Politik offensiver auch in ländlichen Regionen zu etablieren, das sehe ich als eine der wichtigsten Aufgaben der JUSO in den nächsten Jahren.“ Ebenfalls neu in den kantonalen Vorstand gewählt wurde der 27-jährige Krienser Einwohnerrat und Architekt Yasikaran Manoharan. Manoharan: „Die Agglomerationen haben das grösste Potenzial für die JUSO. Der bürgerliche Leistungsabbau und der zunehmende Konservatismus der bürgerlichen Parteien zieht klar an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei.“

Rückblick auf ein durchzogenes Jahr

Alt-Präsident Joël Mayo nutzte seinen Abschied für einen Rückblick auf das vergangene Jahr sowie seine Amtszeit als Präsident. „Der störende Punkt ist und bleibt der Verlust unseres Mandates im Kantonsrat. Auf parlamentarische Erfolge darf sich die JUSO aber sicherlich nie reduzieren lassen. Was zählt sind vor allem unsere Erfolge in der Opposition zu einem Parlament und einer Regierung, welches unsere Werte und Ideale nicht vertritt. Wir haben in zwei Jahren die Referenden gegen das Stipendien- und Universitätsgesetz ergriffen, wir haben die Klage am Bundesgericht gegen das neue Polizeigesetz entscheidend vorangetrieben und wir haben die Rechtsextremen in Sempach einmal mehr zur Weissglut getrieben. Wir sind die junge Kraft, welche der Repression, der Sparwut, Hass und Hetze kompromisslos entgegentritt. Das werden wir auch in Zukunft und umso entschlossener.“ In den letzten zwei Jahren durfte die JUSO wieder einen starken Mitgliederanstieg verzeichnen. Insbesondere in ländlichen Regionen ist die Partei gewachsen, mit vielen engagierten Neumitgliedern ist der Generationenwechsel geglückt. Mit der vorangetriebenen Konsolidierung der Sektion „JUSO Kanton Luzern“ ist es nur eine Frage von 4 Jahren, bis die JUSO wieder im Kantonsrat Einsitz nimmt.

Schluss mit der Spekulation mit Nahrungsmitteln!

Die Preisentwicklungen bei den Grundnahrungsmitteln auf dem Weltmarkt sind komplex. Es gibt mehrere Faktoren, zum Beispiel die Nachfrage, den Dollar-Kurs, die Produktionsmenge, Produktions-Bedingungen, Export-Bestimmungen und die Frage, wie die aktuelle Ernte ausfällt, die wechselseitig und/oder miteinander die Preisentwicklung beeinflussen.

Doch die Finanzspekulation auf Agrar-Rohstoffe führt dazu, dass es zu kurzfristig sehr starken Preisschwankungen bei den Grundnahrungsmitteln kommt. Wie 2006 bis 2008. In dieser Zeitspanne stiegen die Weltmarktpreise von Nahrungsmittel um 71 Prozent für Reis und Getreide sogar um 126 Prozent, danach sanken die Preise wieder rapide ab. 2010 / 2011 stiegen sie wieder, erreichten 2011 sogar wieder das Höchstniveau von 2008.

Die Initiative der JungsozialistInnen richtet sich gegen Banken, Hedge-Indexfonds, Vermögensverwalter, Versicherungen und andere institutionelle Anleger mit Sitz oder Niederlassung in der Schweiz. Die mit exorbitanten Beträgen primär auf zukünftig steigende Preise von Grundnahrungsmitteln spekulieren. Ohne, dass sie diese jemals real besitzen, geschweige denn verwerten wollen.

Diese Spekulationen führen zu Finanzblasen und dementsprechend zu stark überbewerteten Nahrungsmittelpreisen und zu einer Instabilität auf dem Weltmarkt. Folglich schaden sie auch Nahrungsmittelproduzenten, die infolge des Preiszerfalls, nach Platzen der Blase, hohe Einnahmeverluste und keine Planungssicherheit haben.

Die Verträge über die terminliche oder preisliche Absicherung bestimmter Liefermengen, was durchaus stabilisierend auf die Nahrungsmittelpreise und den Weltmarkt wirkt, werden anders als von den Gegnern der Initiative behauptet, explizit weiterhin zugelassen.

Durch diesen Passus im Initiativtext sind Rohstoffhändler nicht betroffen und es gehen keine Jobs in der Schweiz verloren.

Am härtesten betroffen von Preisschwankungen sind Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Während ein Haushalt in einem Industrieland etwa 10 bis 20 Prozent seiner verfügbaren Mittel für Nahrungsmittel ausgibt, sind es in weniger entwickelten Ländern 60 bis 85 Prozent. Kommt es zu starken und schnellen Preissteigerungen, so sich dies dort am Verheerendsten und Gravierendsten aus. Viele Menschen leben dadurch immer näher am Existenzminimum. Die Menschen, die dies bereits erleiden, müssen ihre letzten Vermögenswerte veräußern. Wie zum Beispiel ihre Kuh, die ihnen Milch gibt, das Motorrad mit dem sie in die Stadt zum Markt fahren und dort ihre Produkte anbieten, oder ihr Land, auf dem sie selbst Nahrungsmittel anbauen. Diese Nahrungsmittel können sie aber nicht lagern, da die Infrastruktur nicht vorhanden ist, weshalb sie direkt verkaufen müssen und somit selbst nicht von den Marktmechanismen profitieren können. Sie rutschen dadurch in die strukturelle Armut, in der sie lange gefangen sein werden. Die Personen und Familien, die in der strukturellen Armut gefangen sind, hungern oder verhungern: Meistens die Kinder zuerst, sie sind es auch, die durch den Hunger Folgeschäden erleiden und ein Leben lang damit zu kämpfen haben.

Die Schweiz trägt eine besondere Verantwortung. Selbst, wenn sie die Nahrungsmittelspekulation nicht allein regeln kann, so ist sie trotzdem ein ausschlaggebender Standort für Spekulanten, besonders im Agrarbereich. Viele Unternehmen und Fonds, die mit Nahrungsmitteln spekulieren, haben Niederlassungen in der Schweiz und Schweizer Banken bieten Finanzinstrumente an, die sich auf Agrarrohstoffe beziehen.

Um das Menschenrecht auf Nahrung erfolgreich voranzutreiben, müssen wir alle Mittel und Wege nutzen. Das Verbot der Finanzspekulation mit Lebensmitteln ist ein Meilenstein auf diesem Weg.

Helfen Sie uns! Stimmen auch Sie am 28. Februar Ja zur Spekulationsstop-Initiative, damit wir gemeinsam erreichen, dass mit Hunger kein Profit zu machen ist.

Luca Kaufmann

NEIN: „Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe“

Die Volksinitiative wurde im November 2012 von der CVP eingereicht. Die Vorlage möchte, dass die Benachteiligung von traditionellen Ehepaaren gegenüber von gleichverdienenden Konkubinatspaaren bei der direkten Bundessteuer aufgehoben wird.

Die JUSO Kanton Luzern ist gegen diese Initiative, weil sie rückständig und diskriminierend ist. Ausdrücklich definierten die Initianten die Ehe als eine Lebensgemeinschaft von Mann und Frau. Unmissverständlich werden gleichgeschlechtliche Paare ausgeschlossen. Wir tolerieren keine diskriminierende Ehedefinition in unserer Bundesverfassung! Alle Menschen, egal welcher sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, sollten in unserem Land heiraten dürfen. Wir fordern die bedingungslose Öffnung der Ehe, denn Liebe kennt kein Geschlecht!

Die Heiratsstrafe betrifft nur wenige Paare in der Schweiz (rund 80’000) und dies würde ein jährliches Loch von 2.3 Milliarden Franken in der Staatskasse reissen. Es wäre ein teures Steuergeschenk für Wenige. Die JUSO würde eine Individualbesteuerung befürworten. Dies wäre die einzige faire Besteuerung zur Abschaffung der Heiratsstrafe. Nach einer Annahme wäre eine solche Besteuerung nicht mehr umsetzbar, da die CVP die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft in der Verfassung verankern möchte. Steuer-Modellverbote gehören nicht in eine moderne Staatsverfassung.

 

Klarer Sieg für den Nachtstern

12038471_1495116310814008_3265262177721540544_nAnnähernd 300 Adligenswilerinnen und Adligenswiler stimmten an ihrer letzten Gemeindeversammlung über diverse Anträge gegen die Sparmassnahmen ab. Wie in anderen Gemeinden auch, sollten an Bildung und generell an Dienstleistungen an der Bevölkerung gespart werden.

Zu einer der Abbaumassnahmen zählte auch die Streichung der Nachtbuslinie N7. Begleitet von zynischen Kommentaren, dieser diene nur dem Ausgangsvergnügen einiger weniger seitens des Gemeinderates, sollte eine wichtige Anbindung an die Stadt Luzern weggekürzt werden. Die für den Spardiskurs im ganzen Kanton symptomatische Kurzsichtigkeit wurde durch die JUSO Kanton Luzern bekämpft. Mittels eines Antrags gegen die Aufhebung der Buslinie und mit Unterstützung durch die SP und die Grünen Adligenswil, sowie den Jungen Grünen Kanton Luzern machte sie gegen die Sparmassnahme mobil. 1137 Unterschriften wurden gegen die geplante Streichung gesammelt.

Mit ihren Argumenten, dass die Aufhebung mit Fehlanreizen zu unsicheren Heimwegen, einer Benachteiligung einer ganzen Region und einem Attraktivitätsverlust für die Gemeinde Adligenswil für NeuzuzügerInnen einhergeht, überzeugte die JUSO die AdligenswilerInnen.

Co-Präsidentin des Petitionskomitees Thea Gemperli wurde zu ihrem Antrag durch verschiedene Wortmeldungen unterstützt und sogar mit Applaus belohnt. Das Stimmenverhältnis sprach sich klar für den Erhalt des Nachtsternes aus.

Dank grossem Engagement bleibt Adligenswil als Agglomeration an die Stadt angebunden. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass der unbedingte Sparwille einzig auf Seiten von bürgerlichen Ideologen zu finden ist.

Wer die Staatsschnüffler stoppen will, unterschreibt jetzt das Referendum gegen das neue Nachrichtendienstgesetz

ÜberwachungSeit gestern Dienstag (6. Oktober) läuft die Unterschriftensammlung für das Referendum gegen das neue Nachrichtendienstgesetz. Wer verhindern will, dass sich die Schweiz von Neuem zu einem Schnüffelstaat entwickelt, unterschreibt, damit dieses unsägliche Gesetz vors Volk kommt und von ihm tüchtig versenkt werden kann.

Das neue Nachrichtendienstgesetz würde es – unter anderem – ermöglichen, dass in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger eingedrungen werden kann, ohne dass gegen sie irgendwelche Hinweise auf ein strafbares Verhalten vorliegt. Solche Blankoscheine an die Polizei und Staatsanwaltschaften werden mit der Bekämpfung des Terrorismus und des organisierten Verbrechens gerechtfertigt. Genau dafür aber gibt es längst juristische Mittel. Wer darüber hinaus solche Generalvollmachten einführen will, schafft den Rechtsstaat ab.

Zusammen mit einem breit abgestützten Komitee sammeln auch wir JungsozialistInnen Unterschriften gegen das neue Nachrichtendienstgesetz.

Ich bin zu jung, um selber miterlebt zu haben, wie die Schweiz entsetzt war, als 1989 der sogenannte Fichenskandal aufflog. Aber ich weiss: während Jahrzehnten wurden hunderttausende unbescholtener BürgerInnen vom Staatsschutz observiert, wurden Details über ihre politischen, beruflichen und privaten Aktivitäten in sogenannten Fichen registriert. Dabei erschienen den Staatsschnüfflern auch banalste «Erkenntnisse» wichtig genug, um geheimdienstlich vermerkt zu werden. Über eine Thurgauer SP-Nationalrätin beispielsweise notierten sie: «Trinkt abends gerne ein Bier».

Was der Staatsschutz über Max Frisch so alles vermerkt hat, war erst kürzlich in der «NZZ» zu lesen. Auch da stehen jedem halbwegs vernünftigen Menschen die Haare zu Berge.

Nachdem das Bekanntwerden solcher Peinlichkeiten den Staatsschutz und die politisch Verantwortlichen – unter anderen die CVP-Bundesräte Kurt Furgler und Arnold Koller – vor dem ganzen Land der Lächerlichkeit preisgegeben hatten und nachdem das wahre Ausmass der fläckendeckenden Bespitzelung  bekannt geworden war, gelobte der Bundesrat für immer Besserung. Aber bereits 2010 flog von Neuem auf, dass der Geheimdienst schnüffelt und fichiert wie eh und je – als hätte es nie einen Fichen-Skandal gegeben.

Darauf gibt es nur eine Antwort: Keinerlei Blankoscheine für den Staat, BürgerInnen «auf Vorrat» zu bespitzeln! Der erste Schritt ist das Unterschreiben dieses Referendums.

Linus Petermann

Die Zuwanderung bietet grosse Chancen für die Konsolidierung der Altersvorsorge

In den letzten Wochen ist in den Medien viel über die AHV-Reform von Bundesrat Alain Berset berichtet worden. Über die vorgeschlagenen Massnahmen können sich die Jungen und die Erwerbstätigen jedoch nur wenig erfreuen. Denn die Wende sollen eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters und der Mehrwertsteuer sowie die Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge (also in der Zweiten Säule) herbeiführen.

Sehr vielen Leuten wird erst angesichts solcher Szenarien bewusst, dass die Bewahrung der Lebensqualität in der Schweiz viel abfordert. Doch über welche Instrumente verfügt denn die Politik noch, um den Zerfall wichtiger sozialer Errungenschaften wie eben der AHV oder der Zweiten Säule abzuwenden? In diesen Diskussionen wird bislang von einem wertvollen Potential, welches zur Sanierung der AHV beitragen könnte, zu wenig Beachtung geschenkt. Und zwar der Zuwanderung.

Zugegeben: Die Zuwanderung als Instrument zu bezeichnen ist falsch und sie wird auch kaum allein diese Sozialwerke retten können. Doch sie ist eine reelle Chance! Die Schweiz war und ist auch heute noch in vielerlei Hinsicht auf die Zuwanderung angewiesen. In der Schweiz arbeiten rund 1,5 Millionen Ausländer, bei insgesamt etwas weniger als fünf Millionen Erwerbstätigen; darin mitgerechnet auch jene mit Migrationshintergrund.

Tatsache bleibt aber, dass ab 2020 der Arbeitsmarkt zunehmend austrocknet sein wird und in einigen Branchen die ArbeiterInnen fehlen werden. Diese Entwicklung ist jedoch vorhersehbar, denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen ab 2020 in die Rente.

Ich werfe eigentlich nicht gerne mit Zahlen herum. Und ich bezweifle auch, dass die Schweizerinnen und Schweizer nur noch wenige oder überhaupt keine Kinder mehr zeugen wollen. Doch sollten sie bedenken, dass künftige, auch zahlenmässig starke Generationen für den Fortbestand unserer Gesellschaft das entscheidende Fundament sind. Die Alterung der Bevölkerung kann weder gesteuert noch abgewendet werden. Daher braucht es für die Sanierung der AHV auch mutige Lösungsansätze.

Statt dem Tenor der Bürgerlichen zu folgen, müsste in der Bevölkerung ein Umdenken stattfinden. Ständig hören wir die gleichen Argumentationen. Unter anderem, die Asylsuchenden würden unseren Sozialstaat belasten und Mehrkosten verursachen. Verantwortlich dafür, dass viele dieser Menschen auf finanzielle Hilfe angewiesen sind, sind aber die bürgerlichen Parteien und die Politik selbst. Seit die SVP in Asylfragen die Deutungshoheit erlangt hat, werden den Arbeitswilligen immer wieder mit restriktiven Gesetzen die Möglichkeiten verwehrt, einen Weg in die Berufswelt zu finden. Zudem wurde in der Bevölkerung eine schlechte Stimmung gegenüber Asylbewerbern geschaffen; also gegenüber jenen, für die der Zugang in unsere Gesellschaft ohnehin schon voller Hürden und sogar eigentlichen Hindernissen ist.

Ich zumindest kenne sehr Viele, die gerne und möglichst sofort arbeiten möchten. Da sich die Lage in den Krisengebieten, aus denen die Flüchtlinge zu uns gekommen sind,  noch lange nicht bessern wird und es klar ist, dass viele der Asylsuchenden hier bleiben werden, sind nun nachhaltige Lösungen gefragt.

Die Einwanderung muss wieder als Chance betrachtet werden. Die Überalterung der Bevölkerung in Europa wird ganz bestimmt zu einem zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften führen, nicht nur an hoch-, sondern auch an niedrigqualifizierten. Durch eine rasche Eingliederung der Asylsuchenden in die Arbeitswelt kann sich die Zuwanderung zu einer funktionierenden Stütze der AHV entwickeln. Denn wer arbeitet, zahlt Beiträge in die Sozialwerke. Mehr erwerbstätige Einwanderer bedeuten mehr Einnahmen für die AHV. Und je früher eine Person einen Beruf erlernen kann, desto schneller kann sie einem Vollzeit- oder Teilzeitberuf nachgehen.

Um dies am besten zu erreichen, müssen nebst schnellen Asylverfahren auch effektive Integrationsmassnahmen angeboten werden. Deutschkurse und ein schneller Einstieg in die Berufswelt sollen die Eingliederung in die Gesellschaft ermöglichen.

Es ist ja nicht so, dass dieser Vorschlag ein Novum wäre. Im Gegenteil. Über Jahrzehnte hat die Zuwanderung die defizitäre Entwicklung der AHV stark abgebremst. Es ist eine Tatsache, dass ohne die Zuwanderung in den vergangenen Jahren die AHV tiefrote Zahlen geschrieben hätte. Es braucht daher dringend Lockerungen im Asylrecht, um geflüchtete Menschen möglichst schnell in die Berufswelt zu integrieren. Die Politik kann die Massnahmen dazu schaffen.

Mir ist durchaus bewusst, dass solche Forderungen bei den Dauerpessimisten und Alles-Schlecht-Rednern für blasse Empörung sorgt. Doch was bleibt uns, wenn wir die Chancen und Potentiale nicht nutzen?

Yasikaran Manoharan

Kriens hat aus den Fehlern seiner Vergangenheit gar nichts gelernt

a63509310dAm 24. September verabschiedete der Krienser Einwohnerrat nach zweistündiger Debatte die erste Lesung des Bebauungsplans Nidfeld. Für jene, die sich in Kriens nicht sonderlich gut auskennen: Es handelt sich um das Areal, auf dem früher der alte «Pilatusmarkt» gestanden hat. Seit bald zehn Jahren steht dieses Areal brach.
Nun sollen dort Wohn-, Büro-, Dienstleistungsnutzungen sowie ein Abholungs- und Belieferungs-Grosshandel erstellt werden. Mit dem letzteren ist die Prodega gemeint, welche dem Coop gehört und seit Jahren in Kriens ihren Sitz hat. Die bebaubare Parzelle wurde von einer monofunktionalen Arbeitszone zu einer Mischzone umgewandelt, was für die zusammenhängende Entwicklung mit LuzernSüd notwendig war. Dieses Areal ist eine Schlüsselstelle und bildet das Tor zur neuen vorstädtischen Mikropole Mattenhof.

An diesem Punkt stossen wir an zwei Probleme. Der Krienser Gemeinderat sowie die bürgerliche Seite des Einwohnerrats sind nicht daran interessiert, das Areal gesamtheitlich planen zu lassen. Das Areal wurde nämlich in drei Baubereiche aufgeteilt. Auf einem dieser Baubereiche wird die vorhin erwähnte Prodega erstellt, welche den Vorrang erhält, als erster mit dem Bau zu beginnen. Die weiteren zwei Baubereiche werden einem qualitativen Konkurrenzverfahren unterstellt. Was bedeutet, dass Architekturbüros eingeladen werden, welche Projektvorschläge einreichen dürfen. Sprich: die  Prodega erstellt einen Industriebau und anschliessend soll sich alles andere dem Geschwür anpassen, welches schlussendlich unter dem Namen «Gesamtkonzept» verkauft werden kann. Dieser Vorgang ist sonderlich untypisch und gleichzeitig heuchlerisch seitens der Investoren.

Das auf dem Modelfoto (rechts) ersichtliche dunkle Gebäude bildet das Prodega-Gebäude ab und lässt die Dimension dieses Kolosses erkennen. Dieser fügt sich in keinerlei Art und Weise zu einer städtebauliche Komposition mit den anderen Gebäuden zusammen. Im Gegenteil: Er ignoriert sie. Obwohl aus der Vision von LuzernSüd verlangt wird, Gebiete gesamtheitlich zu planen und Synergien zu nutzen, gibt hier einmal mehr die Gemeinde Kriens dem Druck der Investoren nach. Nur ein Konkurrenzverfahren über alle drei Baubereiche hätte zu einem gut funktionierenden Stadtteil geführt; so, wie es im Antrag der SP/JUSO-Fraktion gefordert war.

Das ökonomische Denken zieht sich weiter in die Parkplatzthematik.Trotz Empfehlungen des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements sowie der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, die maximale Parkplatz hinsichtlich der Verkehrsentwicklung im Mattenhof-Schlund Gebiet stark zu reduzieren, halten der Gemeinderat und die bürgerliche Seite des Krienser Parlaments an der exorbitanten Zahl von 650 Parkplätzen fest.

Ich frage mich mitunter, in welchem Jahrhundert ich mich befinde. Während andere Städte und Gemeinden den Wandel der Zeit erkannt haben und vermehrt autoarme oder gar autofreie Bebauungen in urbanen Stadtteilen entwickeln, hinkt die Krienser Politik weit hinterher. Immer mehr Menschen verzichten in dichten Stadtgebieten auf das Auto. Das ÖV- und Fahrradnetz wird entlang LuzernSüd markant ausgebaut.

Jegliche Bemühungen seitens der linken Parteien, die Parkplatzzahl auf 480 herunterzukürzen, scheiterte im Rat.

Gerade Kriens sollte im Bezug auf den Verkehr aus den Fehlern lernen. Auf mehreren Verkehrsachsen sind die Strassen zu Stosszeiten ausgelastet. Zurückzuführen auf eine fehlerhafte Städte- und Verkehrsplanung. Lieber versteht es der Gemeinderat einmal, mehr den ökonomischen Interessen zu folgen und dem Druck der Investoren nachzugeben, als sich nachhaltig für eine Gemeinde mit lebhaften und qualitativen Quartieren und Arealen einzustehen.

Yasikaran Manoharan

Der Wahlkampf auf dem Rücken der Flüchtlinge ist unterirdisch

refugeesDie Hetzerei und der unterirdische, diskriminierende Wahlkampf auf dem Buckel der Flüchtlinge gehen mir, gelinde gesagt, auf den Sack! Nicht nur die SVP, auch die FDP und CVP reden ständig von einem Asylchaos, welches gar nicht existiert.

Natürlich gilt es, Ängste und Sorgen ernst zu nehmen, doch sollte man sich nicht von diesen leiten lassen. Um über die Asyl- und Migrationsthematik diskutieren zu können, braucht es die nötige Ernsthaftigkeit. Ohne Hass, ohne Angst, ohne Missgunst.

Mit immer restriktiveren und strengeren Massnahmen lösen wir die Probleme nicht. Mit Hass und Demonstrationen gegen Flüchtlinge vorzugehen ist erst recht beschämend. Gleichzeitig weiss ich aber auch, dass ein Grossteil der Asylbewerber hier bleiben werden. Darum bin ich der Meinung, dass wir aufhören sollten darüber nachzudenken, wie wir sie schikanieren und zurückschicken sollen.

Wir müssen anfangen zu überlegen, wie wir die Asylsuchenden schnellstmöglich in unsere Arbeitswelt, sowie in die Gesellschaft integrieren können. Das, damit wir in Zukunft ein Leben mit und neben diesen Menschen pflegen können und nicht ein gegeneinander.

Ich sage das bewusst als ein Secondo, Sohn einer Flüchtlingsfamilie, welche vor 23 Jahren in die Schweiz einreiste. Geflohen vor einem schrecklichen Bürgerkrieg.
Ich bin der Schweiz dankbar, dass sie mir und meiner Familie die Chance gegeben hat, hier eine Existenz aufzubauen. Hier zu arbeiten, zu leben, sich in die Gesellschaft zu integrieren, mich zu bilden und einen Beitrag an eine offene, solidarische und moderne Schweiz leisten. Mit diesen Gedanken lebe ich hier tagein tagaus.

Mein Anspruch ist es, all jenen diese Chance ebenfalls zu ermöglichen, welche den Weg bis hierhin geschafft haben. Die Dankbarkeit wird sich zeigen.

Yasikaran Manoharan