Morgarten und Marignano können auch anders gedeutet werden

Im Wahljahr 2015 beruft sich die SVP auf helvetische Ursprungsmythen. Die Schlacht bei Marignano und die Schlacht am Morgarten müssen herhalten als Transporteure für die rechts-nationalen Ideologie der Partei. Diese beiden Ereignisse als identitätsstiftend zu bezeichnen ist allein aus historischer Perspektive mehr als fragwürdig. Schlussendlich aber bleibt sich die SVP auch beim Hochstilisieren der beiden Schlachten als identitätsstiftende Momente in ihrer Agenda treu. Anstatt sich auf Ereignisse zu berufen, welche den Charakter der Schweiz noch heute definieren, flüchtet sich die Partei in die Dünkel des Mittelalters, bezieht sich lieber auf Mystifizierungen von Ereignissen als auf tatsächliche Belege. In der absoluten Wildheit der svpschen Interpretationswut, lassen sich sowohl Morgarten als auch Marignano andere Interpretationsmöglichkeiten abgewinnen.

Bei beiden Schlachten handelt es sich um Auseinandersetzungen, bei denen Schweizer Warlords und Grossgrundbesitzer Bauern den Blutzoll für ihre Profite entrichten liessen. Die SVP, die sich Volkspartei nennt, mobilisiert heute Wählerinnen und Wähler gegen jeglichen Ausdruck sozialen Fortschritts und bläst zum Sturmangriff gegen sämtliche Errungenschaften des Service Public. Keine einzige Initiative, keine einzige parlamentarische Vorlage, welche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestärkt hätten, wurden von dieser Partei unterstützt, mitgetragen oder lanciert. Damit stellt sich die Volkspartei konsequent auf die Seiten der neuen Vögte, des Wirtschaftsadels. Die SVP zelebriert weniger die Geschichte der Schweiz, als ihre eigene Politik.

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