Am 27. Mai 2025 stürmten 16 Polizist*innen gewaltsam eine Luzerner Notunterkunft. Den Bewohnerinnen wurden die Handys abgenommen, damit sie den Einsatz nicht filmten. Der Einsatz galt der Zwangsausschaffung einer kurdisch-türkischen Mutter und ihren drei Söhnen. Die Kinder waren damals 10 Jahre, vier Jahre und 9 Monate alt. Die Mutter und der älteste Sohn befanden sich in psychologischer Betreuung.
Die vierköpfige Familie wurde gegen ihren Willen gewaltsam aus der Unterkunft abgeführt, in ein Fahrzeug verfrachtet und zum Flughafen Zürich gebracht. Zuvor erfolgte ein Zwischenstopp beim türkischen Generalkonsulat. Die Kinder mussten mit ansehen, wie sich ihre Mutter verzweifelt gegen die Ausschaffung wehrte und gefesselt wurde. Die Bewohner*innen der Unterkunft standen schockiert vor ihren Zimmern, konnten nicht eingreifen, durften sich der Familie nicht nähern, niemanden umarmen und sich nicht verabschieden. Alle weinten.
Trotz der massiven Gewalt wurde nicht das Vorgehen der Behörden strafrechtlich untersucht, sondern ein Strafverfahren gegen die Mutter eröffnet. Der Prozess hätte am 15. Januar 2026 vor dem Bezirksgericht Luzern stattfinden sollen. Das Verfahren wurde jedoch am 4. Februar 2026 bis 2029 sistiert, weil das Staatssekretariat für Migration (SEM) der Mutter wegen eines Einreiseverbots die Teilnahme am Prozess in der Schweiz verweigert. Damit kann sie ihre Sicht der Ereignisse vor Gericht vorerst nicht schildern.
“Solche Bilder kennen viele aus den USA von der Einwanderungsbehörde ICE. Doch Gewalt dieser Art gibt es auch hier bei uns, bei der Luzerner Polizei”, sagt Andrin Winzap, Vorstandsmitglied JUSO Luzern. Wir fordern eine unabhängige und umfassende Aufarbeitung dieses Polizeieinsatzes sowie der Gewaltpraktiken der Luzerner Polizei. Zudem fordern wir ein Ende der Ausschaffungen von Kurd*innen und anderen politisch verfolgten Menschen in die Türkei sowie ein generelles Ende von Zwangsausschaffungen.